Gedanken zum Kapitel 22

Jahreszeiten

Rainer Maria Rilke, geboren 1875 und gestorben 1926, verdanken wir viele Gedichte, die uns Heutigen oft unverständlich sind, wenn es um die Frage nach dem warum geht. Daneben sind zahlreiche Erzählungen, Aufsätze und ein Roman bekannt.

Ein Motto von Rilke lautet: Du musst das Leben nicht verstehen.

So ist auch eine kleine Gedichtauswahl, erschienen beim Marixverlag
überschrieben.
Diesem Rilke Band verdanken wir auch den folgenden Klappentext als Vorwort zu der Gedichtsammlung:

Ich zitiere:

Gravitätszentrum von Rilkes Gedichten ist ein Ich, das auf der Suche nach sich selbst ist. Mithilfe der Sprache erschafft es eine Welt von außerordentlicher poetischer Kraft und subtiler Psychologie, in der eine Gazelle, ein Schwan oder ein Panther, ja sogar eine Treppe, ein Ball und ein Balkon zu symbolischen Spiegelungen der Innenwelt werden. Einer Welt, deren Reiz darin gründet, dass sie der Realität ganz nah bleibt und dabei doch unvermutete, utopische Räume von berückender und sprachlicher Schönheit schafft.

Zitat Ende

Die Biografen haben für Rilke das Wesen des Kindes ausgemacht, das ewig auf der Suche ist, nach Liebe, Geborgenheit, und Erwachsenwerden. Mit den Augen des Kindes erschaut er die Umgegend und setzt dies in Sprache um.

Lassen Sie uns ein Rilke Gedicht aus dem Jahre 1924, also geschrieben vor bald 100 Jahren, Revue passieren.

Vorfrühling

Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung
an der Wiesen aufgedecktes Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau,
greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit ins Land und zeigens,
unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum.


Der Frühling ist da und mit ihm beginnen die Jahreszeiten auch in Lyrik vom Lande.
Gedanken vom Autor Horst H. Kibbel

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