Kapitel 10 : Wunschgedichte

Wünsche I

Erst im Dezember bemerken wir:
Es ist nicht mehr weit,
nun kommt die frohe Weihnachtszeit
und viele, viele Wünsche hier.

Als Wünschen noch geholfen hat,
da wurden viele Wünsche wahr,
oft nur im Grimmschen Märchen.
Da wünschten viele sich, man werde satt.

Nicht Trommel, Puppe, Teddybär
nicht Äpfel und Nüsse und noch mehr
waren die Wünsche seiner Zeit.
Man wünschte sich, es wär soweit,
man könnte sich und seinen Lieben
das richtige Leben geben,
eben, wie im Grimmschen Märchen gar.

So ging man treu zur Kirche hin ,
Dankt Gott auf beiden Knien
zündete ein Kerzlein an
ließ alle Wünsche fahren
dacht an Herrn Jesu Christ, was er getan
in all den spätren Jahren.

Manch einer dachte voller Wut:
„Die Bibel spricht : So ist es gut !
Doch das kann und darf nicht sein!
Kann mich der Herr nicht leiden?
War mein Wunsch nach Lohn und Brot
denn unbescheiden ?”

Heute kennen wir die Konsequenz .
Wer hungert , hat nichts zu verlieren.
Vielleicht das Leben,
doch ist’s nichts wert,
das wissen Soldat wie Bauersmann,
wenn man sich nicht ernähren kann.

Mord und Totschlag gibt es immer noch
obwohl eine lange Zeit vergangen.
Da fragt man sich doch,
ob der Wunsch nach Frieden in dieser Welt
um den so viele bangen,
in diese Zeit passt.

Mehr denn je, so könnt man sagen,
denn als Wünschen noch geholfen hat,
da wurden viele Wünsche wahr,
wenn auch nur im Grimmschen Märchen.

Januar 2020

Viele  Zeilen wünscht ich mir, die mir noch einfielen, nicht im Schlafe oder auf der Gasse, sondern hier und jetzt, bei einer Tasse Tee, gerne auch Kaffee!

Wünsche IV

Als Wünschen noch geholfen hat
da wurden viele Wünsche wahr,
wie einst im Grimmschen Märchen.

Bescheidenheit hin oder her
Jeder wünscht sich anderes
Der Bub statt der Puppe die Feuerwehr
Das Mädchen statt Auto ein Tutu als Dress

Die Eltern wünschen sich gute Noten,
nicht zum Singen sondern zum Ausloten
der Klugheit Ihrer Kinder
der Autofahrer weniger Stau, nicht minder,

Sie alle und die ich vergessen hab,
wünschen sich mindestens Frieden auf dieser Welt
und ne Stange Geld
um sich alles zu kaufen, was sie wollen,
um niemals mehr Wünsche zu haben.

Jedoch: vielleicht noch ein Grab,
so groß wie’s Tadsch Mahal
wo Millionen Personen sie sehen und sie niemals vergessen sollen.

Doch einen bescheidenen Wunsch ich noch vergaß:
Uwe, der Bergmann unter Tage
im Stollen auf Sohle Sechs
Ein frommer Wunsch ganz ohne Frage
wünscht ewiges Sonnenlicht sich,
Hex Hex!

                                                      Januar 2020

Der Stuhl oder Brecht für alle

Vater, Mutter, Bruder, Schwester und noch ein andres Kind
Zusammen in dem Zimmer sind
Der Vater spricht jetzt wie erstaunt:
Ich sehe dort nun einen Stuhl
Der wie für mich gebaut
Auf ihn will ich mich setzen, das ist mein Recht
Was andre wollen ist mir egal 

Hier will ich sitzen mit einem guten Mahl
Und einem Buch von Berthold Brecht 
Der Brecht, wie ich es sagen kann,
Gerechtigkeit ist sein Revier
Ob in Wirklichkeit, ob auf Papier.

Ihn soll ihr lesen, lieben und dann 
Die Worte wohl verwahren 

Die Mutter dachte sich:
Bin ich der Knecht von Puntila?
Bin ich Mutter, genannt Courage?
Bin ich der gute Mensch aus Sezuan?
Wer bin ich nun seit vielen Jahren?
Ist er Peachum oder auch Machest?

Die Gedanken flogen und sie dachte sich:
Wie es auch sei:
Die Tage der Commune sind endgültig jetzt vorbei. 
Nun halte ich Gericht!

Die Frau nun in die Küche ging 
Ein großer Topf am Haken hing
Den sie genommen. 

Mit Wasser dann gefüllt, wie immer
Trug diesen in das große Zimmer 
Als Mahl für alle, die dort waren
Erfrischend dann auf deren  Kopf gegossen:
So schön sei es, ein Mahl genossen.

Vater, Bruder. Schwester und noch ein andres Kind
Nun ganz und gar betroffen sind.

Es tropft das Wasser von Haar und Kopf
Ganz lieblich scheint der Kinder Schopf
Der Vater auf dem Stuhle saß 
Auch er war wie ein Pudel nass.

Allein auf einem Stuhl zu sitzen
Nicht auf Bänken ewig eng zu schwitzen 
Das geht nicht gut
Wie geschehen und gesehen 
Die Mutter hatte Zorn und Mut. 

Sie konstatierte jetzt:
Brecht hat nun zu guter Letzt
Mir ein Denkmal hingesetzt

September 2026

(Auszug) Erschienen im Band “Lyrik vom Lande PUR 2”
© Copyright beim Autor Horst H. Kibbel, Schöneck/Hess.

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