Kapitel 2 : gedankenschwer

                 Lyrik vom Lande

Die traurigen Geranien

Nach W. Borchert

Die Geranien waren traurig
und begannen zu welken,
der Hausfrau ward’s schaurig
und kauft sich drauf Nelken

März 2018

Der süße Hauch des Lebens

Immer wenn der Tag angeht,
das Web mir meinen Kopf verdreht.
Drum bin ich bleischwer morgens schon,
obwohl noch nichts gesehen
bei Twitter, Facebook und Consorten .
Dann aber ist’s um mich geschehen.

Drum immer wenn ich Online bin,
freu ich mich von Herzen,
dass mein Merksatz ist noch drin,
alles andere lässt sich leicht verschmerzen.

Doch:

Die Infoflut wird nie und nimmer aus meinem Kopfe rinnen.
Denn immer wenn die Nacht ankommt in meinem kleinen Zimmer,
schau ich den blöden Bildschirm an, der da steht darinnen.

Anmerkung des Autors: Nicht immer kommt es auf den Reim an, sondern auf den inhaltsschweren Gedanken, der dem Gedicht innewohnt.

Juni 2016

Geschichtsstunde

Auf dem Strahl der Geschichte gleitet die Menschheit dahin.
Fragen, was das bedeutet, das macht keinen Sinn.
Weil jeder sich irrt, der das erklären will.
Sicher ist nur, ohne Geschichte stünde die Erinnerung still.

Und darüberhinaus, wer will schon Erfindungen,
die uns das Leben leichter machen sollen,
immer wieder neu erfinden.

November 2018

Jahrestagung

30 Jahr plus eins sind nun vergangen,
seit nunmehr Ost und West in unsren Landen sind zusammen.
Die Welt dreht sich, auch ohne uns, versteht sich!
Wollen wir uns heut beklagen?

Sinnvoll scheint es nun,
Katastrophen zu ertragen
und Problemen zu entsagen,
denn es gibt noch viel zu tun!
(zum Beispiel: die Welt retten !)

Oktober 2020

Sturmwind

Kaum ist der Herbst im Land,
schon bläst der Wind
und spielt mit den Blättern.
Das ist sehr wohl bekannt.
Er lässt diese fliegen
und kommt atemlos hinterher.

Nach einer kurzen Rast
danach aber um so mehr.
Der Wind zeigt uns seine geballte Kraft
wenn er will,
oder er ist still,
wie ein schlafender Riese,
wie selbst das Gras auf der Wiese.

Er will uns sagen, der Winter ist nicht fern.
Ich aber spüre den Wind sehr gern.

Oktober 2018

Erntedank

Die Äpfel, die sich vom Baume fallen lassen
sind unbeschwert und leichten Herzens.
Eingeteilt in Güteklassen
sind sie aufgelegt zu Scherzen
Wie lächeln sie uns an:
Hast Du mich lieb,
so nimm mich mit
zur Supermarktkasse
dann macht es piep

September 2017

Mondscheinsonate

Blutger Mond, du scheinst so stille
am hohen Firmament
Super Mond, du scheinst so super
wie man dich doch sonst nicht kennt.

Januar 2019

Sternengucker

Am nächtlichen Himmel sieht man viel Gewimmel,
lauter Sterne und auch Satelitten sieht man dort zuhauf
und Weltraumschrott noch obendrauf.
Doch scheint der Mond am Firmament dann wird der Blick dorthin gelenkt
Ach, denke nur, wärest Du auf dem Mond da oben, Du sähest eine andere Galaxie,
blickest auf die Erde wie noch nie,
und auch der Himmel wäre frei, um darin zu schweben.
Glaube mir, das könnte Dir gefallen,
wie überhaupt uns allen, die auf Erden leben.
Jedoch die Sonne kommt, der Mond geht unter,
mit ihm der Traum zerplatzt:
ja, ja, so ist das eben.

Juni 2020

Aus dem unveröffentlichten Band: „Lyrik vom Lande“
© Copyright beim Autor Horst H. Kibbel, Schöneck/Hess.

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