Gedanken zum Kapitel 00

Bibliotheken: oder Der Beginn???

Wenn wir an Bibliotheken denken, und von denen gibt es ja landauf landab viele, dann kommen einem zunächst die seelenlosen Lesesäle der Universitäten in den Sinn, deren Buchbestände mittlerweile ins Unendliche gehen würden, wenn diese nicht zusätzlich durch elektronische Verfahren unterstützt wären.

Wer aber auf der deutschen Seite des Bodensees steht und seinen Blick auf das gegenüberliegende Schweizer Ufer schweifen lässt, wird in der Ferne den Säntis erblicken, die höchste Erhebung im Appenzeller Land. Bei Tiefdruckwetterlage lassen sich sogar die Fenster der dort oben gelegenen Hütte zählen.

Nordöstlich vom Säntis, auf der Seeseite gegen Bregenz hin, ist St. Gallen gelegen. St. Gallen ist namensgebend für den gleichnamigen Kanton und deren Hauptstadt.

Hier lagern in der Stiftsbibliothek des vormaligen Benediktinerklosters Bücherschätze, Schriftrollen, Urkunden usw. wie aus fernen Welten. Mehr als 30 Tausend Handschriften, eine der ältesten erhaltenen aus dem Jahre 790, sind in der dortigen Bibliothek verwahrt. Die Stiftsbibliothek galt bis weit ins 11. Jahrhundert als europäisches Zentrum des Wissens und der Kultur. Der barocke Bibliothekssaal ist mit Sicherheit der schönste Platz für eine Expedition in diese Welt. Allein der Blick auf die in mühseliger Arbeit handschriftlich erzeugten Bücher der Mönche lässt den Betrachter sich nur widerwillig davon losreißen.

Es schadet nicht, wenn man auch ein wenig Latein oder Griechische Sprache sein Eigen nennt.

Wer sich für Bücher, Kultur oder Geschichte interessiert, möge sich diesen Ort für eine nächste Reise unbedingt vormerken.

Prachtvoll ausgestattet, als wäre es ein Spiegelbild aus Sankt Gallen gibt sich die Anna Amalia Bibliothek in Weimar, die 1691 von Herzog Wilhelm Ernst als Herzogliche Bibliothek gegründet und 300 Jahre später als Anna Amalia Bibliothek, die eine große Förderin dieses Projekts war, umgetauft wurde. Natürlich war auch Goethe einer derjenigen, die ab 1797 die Oberaufsicht über die Bibliothek hatte und natürlich wurden dort zu seiner Zeit viele seiner Werke zu seinem Nachruhm dort verwahrt. Und natürlich sind dort die meisten Werke der Weimarer Klassik zu finden, auch wenn beim großen Brand in 2004 mindesten 50.000 Bände der Bibliothek verloren gingen.

Wer vor dem großen Brand am 2.September 2004 dieses Haus besuchte, wird sicher den Glassturz, darin einen Totenschädel mit dem Hinweis auf Schiller, nicht übersehen haben. 

Diese Reliquie hatte sich Goethe aus dem Beinhaus in Weimar nach Schillers Tod geben lassen, in seinem Hause verwahrt und musste diesen dann widerwillig an Anna Amalia für ihre Sammlung herausgeben.

Aber das ist jetzt eine andere Geschichte.

Dass deutsche Städte und Gemeinden Archive vorhalten, in denen deren gesamte Stadtgeschichte, z.B. Bauakten usw. lagert, wenn nicht durch Kriege oder Feuersbrunst oder Sonstiges dezimiert, wird erst deutlich, wenn wir den Einsturz des Kölner historischen Stadtarchivs mit 2 Todesopfern betrachten, dass durch Tiefbauarbeiten im März 2009 verursacht worden ist.

Das Archiv, von dem man annahm, dass es Jahre zuvor, für die Ewigkeit gebaut schien, sackte in sich zusammen, Betonteile für Betonteile mit sich reißend in den Untergrund.

Bald wurde klar, dass in diesem Falle etliche wertvolle Originalurkunden, in Berge von Schutt endgültig verloren waren. Natürlich war die Stadtgeschichte Kölns nicht gänzlich verloren, und viele Akten noch vorhanden, aber sowohl die Aufräumarbeiten als auch der Neubau verschlangen Millionen Euro. Der Neubau wurde im Mai 2021, also 12 Jahre später, wieder eröffnet und dem Publikum, sowie der Wissenschaft übergeben.

Bleibt das Resümee:

Wenn die Bestände einer der 7 Weltwunder, der Bibliothek von Alexandria, nicht verbrannt wäre, was könnten wir Menschen von heute noch daraus lernen? Vielleicht wären viele Erfindungen und Überlegungen der neuen Zeit bereits dort enthalten? Viele Kriege nicht geführt, viele Erkenntnisse beherzigt?

Doch, wer weiß?

Gedanken vom Autor Horst H. Kibbel


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