Kapitel 20 : Liebe in diesen Zeiten

Schwierigkeiten bei der Suche

Eine Einordnung durch den Autor

Ein Liebesgedicht wird oft als höchste Stufe der Lyrik bezeichnet. Als Beispiel mögen die Gedichtanfänge aus dem Hochmittelalter „Ick bin dien, du bist mien“ oder „Willst du dein Herz mir schenken“ dienen. Klarer geht’s nicht.

Auch nehmen Kritiker gerne die Begriffe „Ich-Erzähler“ bei Romanen und „Lyrisches-Ich“ bei Lyrik, um zu verdeutlichen, dass die Person des Schriftstellers beiderlei Geschlechts mit möglicher Kritik nichts zu tun hat. So auch in diesem Falle.
Hier bemüht sich das „Lyrische-Ich“ um die Verdeutlichung seiner Gefühle in Form eines Gedichtes. Dazu will das „Lyrische-Ich“ Rücksicht nehmen auf alle Eventualitäten einer falsch verstandenen Aussage, denn wir sind bereits im 21. Jahrhundert mit vielerlei Wendungen in historischer und soziologischer Hinsicht.
Dies zu verdeutlichen, scheint mir gelungen zu sein. Besonders der Satz „Sollst ewig mir Suleiken heißen“, aus dem riesigen Zitatenschatz Goethes, ohne weiteren Bezug und die sofortige Streichung ist folgerichtig. Was danach folgt, ist ohne Zweifel mit leichter Hand und viel Humor dargestellt. Der Rhythmus vieler Zeilen ist durch die Erzählung bedingt und leicht zu durchschauen. Dass ein Autor gerne weitab vom Trubel seine Verse schmieden möchte und sei es nur in einer Gartenhütte, versteh ich durchaus.

So kommt also das Liebesgedicht als „Blickkontakt“ daher, im Homer´schen Sinne als Hexameter.

Schlagen wir nach bei Ovid: „Omnia vincit Amor“.,Der Liebesgott Amor bezwingt alles“
So soll es sein !

Gott Amor

Wenn das Lyrische Ich
voller Begehren und Liebe ist,
sei es in Frau oder Mann,
vielleicht auch nicht,
dann erklimmt es die höchste Stufe
der lyrischen Leiter
und macht uns ein Liebesgedicht.

„Sollst ewig mir Suleiken heißen“
der erste Satz dort stand.
Der erste Satz ward durchgestrichen,

„Sollst ewig mir Suleiken heißen?“
Ach nein, das ist doch zu profan.
Wenn doch die Liebste anders heißt,
was schreibe ich ihr wohl dann?
Was ist, wenn es ein Liebster ist?

Probier es doch mit Mariann,
Erwin oder Hans;
probier es doch mit Mary Ann,
das sind doch schöne Namen.

Die Feder sträubt sich,
das mag sein,
es reimt sich nicht?
Was sind das denn für Dramen?

Am Ende wie am Anfang wars,
Die Entscheidung ließ jetzt auf sich warten:
Verse schreiben kann ich nur im kleinen Häuschen,
gelegen in dem Garten,
sprach so das Ich, das Lyrische.

Und so geschahs:

„Sollst ewig mir ein X wohl heißen,
Ich liebe dich, und das steht außer Zweifel
Doch wißest Du es nicht
Und das ist ganz fatal.
Komm Tag und Nacht ans Fenster, dort wo die Winde wehen,
ich lass es dir dann offen stehen.
Lass dich begehren und herzlich umarmen, geliebtes X.
Ich grüße dich und hoffe, dich bald einmal zu sehen“

Der Computer stöhnt,
die Feder kratzt,
der Bleistift weigert
sich zu schreiben.

Wohlan, dann anders mal getan.
Lass die Gedanken einfach gehen
dann fühlt es sich ganz anders an,
und dann wird es geschehen:

Blickkontakt

Es war im Augenblicke selten ein Gedanke größer als jetzt ,
wo ich Dein Aug erblickte, wie lang kann ich mein Ungeduld noch halten?

So dachte ich den Traum mir zu erfüllen, kaum da ich in diesem Sinne einem Narren gleich, das Spiel der Liebe glaubt zu spielen !

Größer konnt ich nimmer denken, und dennoch, an dieser Träumerei tat ich mich verheben, was immer ich auch dachte, nichts weiter als Hoffnung hatte sich ergeben, das Spiel ist geradewegs vorbei.

Doch, wie heisst es bei Ovid:
Omnia vincit Amor
Der Liebesgott Amor bezwingt alles

Wer auch immer das Liebesgedicht nun sein Eigen nennt, das Lyrische Ich hat doch Talent.

September 2021

Aus dem unveröffentlichten Band: „Lyrik vom Lande“
© Copyright beim Autor Horst H. Kibbel, Schöneck/Hess.

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