Kapitel 19 : Heimatgefühle

Heimat

Zu Frankfurt an dem Maine
in ihrem Sessel im Altenheime
saß eine alte Frau,
ganz alleine.

Gedachte ihrer Heimat,
die sie fast vergessen hat.
Sie kam von weit her in diese Stadt
von viel Liebe getrieben.
Doch geblieben, ist ein Grab
dass sie unermüdlich pflegen tat.

Junge Menschen kamen, sie zu besuchen
um ihr bei Kaffee und bei Kuchen
eine wenig Halt zu geben,
in ihrem schweren Leben.
Sie teilnehmen lassen an den Gedanken
dieser jungen, unbeschwerten Jugend
und an den ihren.

Was ist Heimat wurde sie gefragt,
worauf sie lange schwieg und dann gesagt:
„Heimat ist da, wo du geboren,
Heimat ist da wo du groß geworden,
Heimat wird da, wo du hingeschickt,
Heimat ist in der Seele,
Heimat sind Gerüche und auch Farben,
Heimat ist in der Kehle,

Heimat ist Erinnerung an Speisen und Geschmack
Heimat ist Erinnerung an gemeinsame Stunden
Heimat ist auch Kultur,
Heimat ist im Herzen oder nie,
Heimat lässt sich anders nicht beschreiben,

Heimat ist ein Gefühl in dir,
wenn die Erde scheint zu beben,
und droht alles zu verschlingen,
wenn ein Vulkan sich hebt empor
und Feuerschlünde alles wollen vernichten,
dann will man in die Heimat gehen,
egal wohin
und alles richten
was bisher geschehen.

Heimat ist nicht nur Landschaft,
ob Berge oder Meer,
ob Wiesen, Wälder oder Tiere;
ob Flüsse oder Täler
Heimat ist die Erinnerung an das, was gewesen
Mehr kann ich dazu nicht sagen.“

„Jedoch,“
so sprach sie noch,
„jedoch
wenn der Herrgott mich eines Tages rufen wird
so folge ich ihm gewiss,
ich glaube, dass bei ihm vielleicht die langersehnte Heimat ist.“

Ob der Rede schwiegen jetzt die jungen Leute,
jeder in Gedanken still vertieft.
So schieden Sie denn für heute,
schworen, ganz oft wiederzukommen.
Das ist jetzt verbrieft.

Oktober 2021

Drohne

Über allen Wipfeln dröhnt die Drohne
dreifach getestet
und doch nicht ganz ohne
schwebt sie uns davon.

Der Wald steht schwarz und schweiget
ob dieser Provokation.
Ob Hase, ob Reh, ob Wolf ob Bär,
sie alle verstehen die Welt nicht mehr.

Auch der weiße Nebel wunderbar wie wundervoll,
weiß nicht mehr, wann er erscheinen soll.
Wenn selbst die Mutter aller Bienen,
am Himmel ist erschienen,
was folgert dann ein jedes Tier?
Fort ins andere Revier.

Denn dort ist über allen Wipfeln Ruh
und keine Drohne dröhnt nun hier.

So hoffen wir.

Oktober 2021

Aus dem unveröffentlichten Band: „Lyrik vom Lande“
© Copyright beim Autor Horst H. Kibbel, Schöneck/Hess.

Comments are closed.