Kapitel 01 : der Autor

Muse

Heute früh hat mich die Muse geküsst,
mit ihrem Hauch und ihren Lippen, so rot
ich wusste nicht, wie das ist.

Doch jetzt ist alles im Lot.

Mit großem Vergnügen schau ich in die Welt,
hoffe, dass sie oft kommt , mich wieder und wieder küsst
und in den Armen hält.

September 2021

Dichters Traum

Auf den Vorlass
(natürlich an Marbach)
Ist Verlass,
weniger auf den Nachlass

Das soll bei Nachkommen,
die gelegentlich vorkommen
ganz schlecht ankommen !

Juli 2018

Versicherung

Ich versichere euch an Eides Statt,
Gedichte machen euch nicht satt,
vielleicht im Kopf, doch nicht im Magen,
das wollt ich einfach einmal sagen.

Dezember 2019

Bei Goethe gekupfert

Selbst erfinden ist schön;
doch glücklich von andern Gefundenes
fröhlich erkannt und geschätzt,
nennst du das weniger dein?

Goethes vermischte Epigramme

Herbsttag

Naturtrüb ist der Apfelsaft , naturtrüb die Natur !
Es fallen Blätter von den Bäumen
Und unsereins beginnt zu träumen:
Wovon denn nur ?
Von Sturm und Kälte, Eis und Regen !
meinetwegen
Von Liebe, Lust und Leidenschaft :
schon besser
Vom guten Buch und Gerstensaft !
Bin auch ein guter Esser!
Von diesen Dingen träumte ich im warmen Zimmer.
Auch von Doppelbett und Schlafanzug ,eigentlich wie immer.
Doch das Feuer, soeben ist’s erloschen !
Und wie die Natur es vorgemacht, trübt sich mein Blick.
Ich schlafe ein.
Doch bleiben mir zu meinem Glück
allein der Winter Frühling  und der Sommer
sowie noch 20 Groschen .

Oktober 2018

Anmerkung des Autors:

Ich weiß, 20 Groschen gibt’s nicht mehr, aber 20 Cent reimt sich nicht, auch nicht Mark und Euro, doch was macht man nicht alles, damit der Sinn erhalten bleibt.

Lebenslauf

Manch ein langer Lebenslauf
Fällt im Leben niemals auf
(Er/sie/es)
ist niemals kriminell gewesen
hat nie ein gutes Buch gelesen,
geschweige denn ein Buch geschrieben .
Wo ist denn all das Geld geblieben
was (er/sie es )verdient hat ?
Wovon wurde (er/sie es)denn satt?
Wer soll erben, denn anstatt ?
Keine Bilder, kein Soll und Haben
Drum ward (er/sie /es) auch anonym begraben !

Oktober 2017

Twitschern Punkt eins

Mein Profil:
140 Zeichen müssen reichen.
Habe viel bekommen, genommen, und gegeben.
So soll es sein, das Leben !

September 2011

Alter

Kribbeln im Zeh, der Kopf oft leer
von den vielen Gedanken.
Der alte Körper der streikt immer mehr,
wie soll ich die Kraft noch tanken?
Der Doktor der sagt: Alles nicht schlimm,
gewöhne  dich dran,
und hebt zu einem Vortrag an.
Ich  aber, was ich gehört hab,
vergess ich sofort
und denke daran,
ich nehme es mit in mein Grab.*)

*) das gilt natürlich nur, solange das Gedächtnis noch funktioniert

                                 Achtung                                    

Geboren
Gelebt
Gestorben
ist’s in der Welt der Brauch.          
Viele habens hinter sich
und mich betrifft es auch

Oktober 2010

 

Aus dem unveröffentlichten Band: „Lyrik vom Lande“
© Copyright beim Autor Horst H. Kibbel, Schöneck/Hess.

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