Kapitel 24 : Die Gedanken sind so frei

Vorwort:

Als das Kind Phaeton, zugleich Sohn des Sonnengottes Sol,
versuchte, den Sonnenwagen, trotz väterlichen Warnungen
am Himmel zu lenken, ging alles schief, und der Himmelswagen,
mitsamt Rossen und Reiter stürzte vom Firmament auf die Erde.
Jupiters Blitze verhinderten das endgültige Ende der Erde, was zugleich
den Tod des Phaetons bedeutete.
Dieser Sturz war und ist zugleich Auslöser für Katastrophen aller Art in der Welt, die nicht enden wollen.

Phaetons Sturz

(nach Ovid)

Höret auf die Eltern
und folget ihrem Rat,
so möchte man rufen,
als Phaetons Tat geschah.

Der Himmel war klar,
da er den Vater Gott Sol oft am Himmel dort sah,
um da droben die Kutsche zu lenken.

Doch wie alle Kinder dieser Welt,
nahm auch er, was ihm gefällt.
Die Eltern verboten’s, wer kann es verdenken.

Ich kann das, der Phaeton rief,ich kann das auch,
es geht schon nichts schief
und schwupps er auf dem Bocke saß.

Ei, wie war er doch groß,
den Sonnenwagen zu lenken,
sodass die Sonne sich ergoß
auf den Schoß von Mutter Erde.

Die Pferde jedoch, am Himmelsgewölbe,
sie rasten in einem fort und waren nicht zu halten,
stürzten mitsamt dem Knaben tief herab,

Feuer regnet auf die Welt und riesige Spalten
taten sich auf, die Katastrophe zu vollenden
und um die Welt zu verschlingen.

Hilf, Jupiter, der Knabe rief in voller Not,
Jupiter, schicke Blitze, ohne enden,
um das große Unglück abzuwenden.

Jupiter tat, wie ihm gebeten,
doch der Knabe stürzte mit samt den Rossen und den Wagen
in den Tod.

Jetzt ist die Welt noch da, wo sie immer gewesen,
ein wenig verändert, ganz sicherlich.
Viel Unglück und Katastrophen vor und hinter sich.

Doch jeden Morgen, wenn die Sonne erscheint,
glaubt man am Himmel den Phaeton zu erblicken.
Oder Gott Sol?
Oder vielleicht doch nur den Sonnenwagen?
Man glaubt es nicht?

Dann schau
auch du
ganz genau!

PS: Liebe selbsternannte „letzte Generation“ statt auf Straßen und Brücken zu lümmeln und die Generation vor euch zu ärgern, schaut doch einfach auch auf den Morgenhimmel, dann wisst ihr, warum es wie um uns steht. Und dann vergesst nicht, zu erkennen, wer euch diesen Blick ermöglicht hat. Dann dürft ihr gerne euer Frühstück aus der Tonne fischen.

Februar 2022

Aus dem unveröffentlichten Band: „Lyrik vom Lande“
© Copyright beim Autor Horst H. Kibbel, Schöneck/Hess.

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